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Gemälde gegen Theater-Geld,
MZ/ Anhaltkurier vom 12.12.2025

Liebe Theaterfreunde, sehr geehrte Damen und Herren,

Aus gegebenem Anlass möchten wir hier den Leserbrief unseres Vorstandsmitgliedes Dr. Philipp Feige veröffentlichen.

Theater weg und alles wird gut……so könnte man meinen, wenn man o.g. Beitrag liest.
Mitnichten! Zwar „spart“ die Stadt Dessau-Roßlau ihre finanziellen Zuwendungen, die deutlich unter den behaupteten 20 Mio.€ jährlich liegen, erhält aber auch nicht die über 10 Mio.€ Zuwendungen des Landes, die als institutionelle Förderung den Betrieb des Anhaltischen Theaters sichern sollen.
Wenn jährlich ca. 160 000 Gäste das Anhaltische Theater besuchen, bezahlen sie für ihre Tickets, gehen davor oder danach ins Restaurant, bleiben, wenn sie von weiter her anreisen, günstigenfalls ein Wochenende in der Stadt. Das Theater lockt alle Generationen in sein großes und kleines Haus, um sich dort zu treffen, kulturell unterhalten oder bilden zu lassen. Es begeistert Kinder und Jugendliche in Scharen, gerade aktuell in den Weihnachtskonzerten oder beim Weihnachtsmärchen zu erleben, die im Zuschauerraum sitzend gebannt dem Geschehen folgen. Künstler und Theaterpädagogen arbeiten professionell mit Ihnen, so dass sie selbst zusammen mit den Profis auf der Bühne stehen, Eltern, Großeltern, Freunde sie besuchen und bewundern kommen. All das und die Arbeitsplätze von ca. 300 Menschen, die größtenteils mit ihren Familien in der Stadt leben und hier einkaufen, wären nach 231 Spielzeiten unwiederbringlich verloren. Es wird dunkel und leerer alltäglich und- abendlich in Dessau.  
Es irritiert, wenn ein Stadtrat die Existenz des regional und überregional strahlenden kulturellen  Leuchtturms infrage stellt und sendet ein verheerendes Signal an die Landesregierung.
Es ist naiv oder gleichgültig zu glauben, dass Land würde nach Übertragung des Georgiums die komplette institutionelle Förderung des Theaters übernehmen. Es wäre auch nicht im Sinne der Stadt, würde ein Kulturminister des Landes die alleinige Entscheidungshoheit über Spielplanung,-betrieb und personelle Strukturen inne haben.  
Richtig ist, wenn es Überlegungen gibt, das Georgium der Dessau-Wörlitzer Kulturstiftung zu übertragen, die satzungsgemäß der Pflege, dem Erhalt und Entwicklung ihrer reichen Kulturgüter verpflichtet ist und über die personelle, finanzielle und wissenschaftliche Expertise verfügt.
Dass das nicht nur für die bildende, sondern auch die darstellende Kunst erfolgreich ist, zeigen gerade in Ostdeutschland Stiftungen in Mittelstädten, deren Theater ebenso wie das Anhaltische Theater eine lange Tradition haben, sich überregionalen Zuspruchs erfreuen und untrennbar mit ihren Städten verbunden sind. Beispielhaft seien die Brandenburgische  Kulturstiftung Cottbus-Frankfurt u.a. mit dem Staatstheater Cottbus oder die Kulturstiftung Meiningen-Eisenach mit dem Staatstheater Meiningen, dem Theater Eisenach und  dem Schloss und den Museen der kleinen Stadt Meiningen (23 Tausend Einwohner) genannt.
Allen gleich ist die paritätische und auskömmliche Förderung ihrer Kulturgüter zu über 50% durch die jeweilige Kulturstiftung der Länder gemeinsam mit der Kommune bzw. dem Landkreis.
Verehrte Damen und Herren Stadträte, unternehmen sie alles, unsere Stadt geistig und kulturell reicher und nicht ärmer werden zu lassen. Der Blick nach Meiningen zeigt wie es geht und die Stadt Dessau-Roßlau mittel-und langfristig finanziell entlastet werden könnte.

Dr. med. Philipp Feige