Nachruf auf Joachim Landgraf

Der langjährige Verwaltungsdirektor des Anhaltischen Theaters und Ehrenmitglied unseres Vereins verstarb am 14. August 2026 im Alter von 78 Jahren in Dessau. Mit ihm verlieren wir eine Persönlichkeit, die über Jahrzehnte hinweg das kulturelle Leben maßgeblich geprägt hat.

Joachim Landgraf, geboren in Bad Frankenhausen und ursprünglich als Ingenieur ausgebildet, fand früh seinen Weg in die Kulturverwaltung. Vor der politischen Wende war er in der Bezirksverwaltungsbehörde Halle für Kultur zuständig, ab 1991 übernahm er kulturpolitische Aufgaben in der Bezirksregierung Dessau. 1997 wechselte er als Verwaltungsdirektor an das Anhaltische Theater Dessau – eine Position, die er bis zu seinem Eintritt in den Ruhestand im Jahr 2011 mit großer Hingabe ausfüllte.

Während seiner 15-jährigen Amtszeit prägte Landgraf das Theater entscheidend. Er setzte sich mit Leidenschaft für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie für die künstlerische Arbeit ein und war ein unermüdlicher Fürsprecher des Hauses in der Öffentlichkeit. Sein Einsatz für die Finanzierung und Zukunft des Theaters war ebenso beharrlich wie umsichtig, kein Weg nach Magdeburg wurde gescheut, um das Anhaltische Theater zu stärken. An seiner Arbeit im Vorstand des Freundeskreises, dessen Sitzung er stets begleitete und beriet, schätzte ich persönlich seine Verlässlichkeit und die absolute Lösungsorientiertheit. Ein „geht nicht“ gab es nie. Und selbst die anfänglich „verrücktesten“ Ideen, wie zu unserem 10jährigen Jubiläum wieder einen Theaterball ins Leben zu rufen, eine Stiftung zu gründen und für deren Finanzierung u.a. sogar Weltstar Leo Nucci auf die Bühne zu holen, gewannen nicht nur an Gestalt, sondern er betreute sie mit persönlichem Einsatz und Fachkompetenz bis zur praktischen Umsetzung. Das alles war möglich, weil er zwar nicht mehr als Ingenieur arbeitete, aber immer noch ein großartiger „Brückenbauer“ und „Netzwerker“ war. Für uns war es eine Selbstverständlichkeit, ihn nach seinem Ausscheiden aus dem Anhaltischen Theater zum Ehrenmitglied unseres Vereins zu ernennen.

Auch nach dem Ruhestand blieb Landgraf eine treibende Kraft der regionalen Kultur. Ab 2004 Mitglied und von 2011 bis 2021 Geschäftsführer der Gesellschaft der Freunde des Dessau-Wörlitzer Gartenreiches, widmete er sich besonders der Entwicklung des Kulturangebots im historischen Gasthof Zum Eichenkranz in Wörlitz.

Darüber hinaus engagierte sich Landgraf in der Kurt-Weill-Gesellschaft, ab 2014 auch als Direktor des Kurt-Weill-Zentrums Dessau, im Förderkreis der Musikschule Kurt-Weill e.V., für das Walter-Gropius-Gymnasium sowie für das Bauhaus und die Bauhausstadt. Ihm wurde 2013 das Bundesverdienstkreuz verliehen und er wurde zum Ehrenmitglied des Anhaltischen Theaters ernannt.

Sein Wirken wird spürbar bleiben: in den Institutionen, die er geprägt hat, in den Projekten, die er möglich machte, und in den Menschen, die mit ihm gearbeitet haben.

Joachim Landgraf wird mir als ein Mensch in Erinnerung bleiben, der stets positiv nach vorn blickte, lösungsorientiert dachte, bereit war, Verantwortung zu tragen und mit Freundlichkeit, Gesprächsbereitschaft und großer Zuversicht wirkte. Die Region verliert mit ihm einen engagierten Mäzen und einen leidenschaftlichen Gestalter des kulturellen Lebens.

Oliver Thust